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Unterwegs mit Hund – passendes Hundezubehör

Hundegeschirr | Hundehalsband | Hundeleine | Maulkorb | Hundebekleidung | Sonstiges Equipment

unterwegs mit Hund

Für uns alle ist es selbstverständlich, mehrmals täglich mit unseren Vierbeinern draußen unterwegs zu sein. Ebenso selbstverständlich ist es, zu wissen, was wir dafür eigentlich benötigen, richtig?
Wir haben uns – inspiriert durch unsere Trainings und natürlich durch das Zusammenleben mit unseren eigenen Hunden – einmal genauer angesehen, welches Hundezubehör für welches Mensch-Hund-Team in welcher Umgebung nützlich, notwendig oder hilfreich sein kann.

1. Hundegeschirr und/oder Hundehalsband?

Zu diesem Thema gibt es – unter Hundemenschen – immer wieder sehr unterschiedliche Meinungen und kontroverse Diskussionen. Der eine schwört auf das Geschirr, der andere meint, nur ein Halsband ermöglicht eine ausreichende Kontrolle über den Hund.
Das leider sehr häufig vorgebrachte Argument, der Hund würde am Halsband schnell lernen, nicht zu ziehen, entspricht einerseits nicht den Tatsachen (wie viele Hunde seht ihr täglich, die auf Dauerzug keuchend im Halsband hängen?) und andererseits widerspricht die zugrundeliegende Motivation – nämlich dem Hund Schmerz oder Leid zuzufügen – allen Grundsätzen der modernen Hundeerziehung (und dem Tierschutzgesetz!).

Wie so oft, ist es hilfreich, sich anzusehen, wofür das ins Auge gefasste Equipment eingesetzt werden soll. Temperament, Alter, Ausbildungsstand, Lebensumfeld, Gewicht und Größe des Hundes spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahl jeglichen Hundezubehörs. Manchmal ist auch aus gesundheitlichen Gründen das eine dem anderen vorzuziehen.

  • Oberste Priorität für die Auswahl des Geschirrs oder auch des Halsbandes sollte immer die Passform haben! Ein schlechtsitzendes Geschirr kann schnell zu Fehlbelastungen und dauerhaft zu Schäden am Bewegungsapparat führen! Ein zu dünnes Halsband würgt den Hund bei geringster Einwirkung, ein zu enges Halsband übt permanent Druck auf den Kehlkopf aus und wirkt sich somit negativ auf das Wohlbefinden unserer Fellnase aus.
  • Ein gut Sitzendes gutsitzendes Hundegeschirr ist gerade für junge oder sehr aktive Hunde dem Halsband insofern vorzuziehen, weil es uns ermöglicht, das für den Hund von Natur aus eher unverständliche Konzept der Leine sanft vorzustellen. Gerade Welpen und Junghunde reagieren oftmals sehr schnell mit einem Hüpfer zur Seite oder sie folgen einem Geruch und vergessen dabei zu Beginn oft, dass da ja noch wir an der Leine hängen. Damit der Hund die Leine möglichst positiv verknüpfen kann, ist es daher bei anfangs fast unvermeidlicher Leinenkonfrontation deutlich angenehmer, von einem Geschirr mit entsprechender Druckverteilung gebremst zu werden, als von einem Halsband, das die Kehle zuschnürt und auf den Kehlkopf drückt. Für manche Freizeitaktivitäten wie Bergsteigen, Mantrailing oder Zughundesport ist der Hund grundsätzlich mit einem Geschirr auszustatten.

Exkurs: Merkmale eines gutsitzenden Geschirrs

a) Minimale Einschränkung der Bewegung v.a. im Schulterbereich

b) Achsel des Hundes ist frei, d.h. kein Einschnüren oder Scheuern in diesem Bereich

c) Bauch- bzw. Brustgurt des Geschirrs liegt je nach Hundegröße 2 Finger bis 1 Hand hinter der Achsel und in jedem Fall innerhalb des Bereichs der festsitzenden Rippen

d) Im Halsbereich liegt das Geschirr sowohl an lockerer als auch an gespannter Leine so auf, dass auftretender Druck auf dem Brustbein verteilt und nicht auf Hals oder Kehlkopf

  • Haben wir mit unserem Hund eine gute Leinenführung etabliert und bewegen uns in einem Umfeld, in dem die Wahrscheinlichkeit einer plötzlichen Überreaktion wie in die Leine springen gering ist, spricht natürlich nichts gegen ein breites und möglichst gepolstertes Halsband. Voraussetzung: Der Hund empfindet dieses als angenehm und ist an das Tragen eines Halsbandes gewöhnt. Auch im Freilauf oder bei unterschiedlichen Aktivitäten wie Dummytraining, freier Suche etc. wäre ein Geschirr für den Hund eher hinderlich bzw. auch – durch Hängenbleiben im Gestrüpp – gefährlich. Hier sind Halsbänder im Einsatz oder der Hund ist „nackt“ unterwegs.
Hundegeschirr

2. Die Hundeleine

In Österreich herrscht in vielen Gemeinden an den meisten Orten eine gesetzlich vorgeschriebene Leinen- und/oder Maulkorbpflicht für Hunde in öffentlich zugänglichen Bereichen.

Natürlich sollten wir für unsere Hunde Möglichkeiten schaffen, auch im Freilauf unterwegs zu sein, aber wir werden auch beim bestmöglich erzogenen Hund nicht um die zeitweise Verwendung einer Leine herumkommen. Neben der gesetzlichen Leinenpflicht kann es diverse andere Gründe geben, warum unsere Hunde in manchen Situationen an der Leine bleiben sollten, wie z. B. die Brut- und Setzzeit der Wildtiere (v.a. bei jagdlich ambitionierten Hunden) oder einfach die gegenseitige Rücksichtnahme, wenn wir uns auf Routen bewegen, an denen viele Jogger, Kinder oder andere Hunde angeleint unterwegs sind.

Doch welche Leine soll es denn nun sein? Oder brauchen wir vielleicht sogar mehrere Leinen für unseren Hund?

Auch zu dieser Frage geben wir Euch einen kleinen Überblick über Einsatzmöglichkeiten diverser Leinen, um Euch hoffentlich die Entscheidung zu erleichtern.

  • An ein Halsband gehört immer und ausschließlich eine kurze Leine! Bei Verwendung eines Halsbandes sollte die Leine maximal 2,20-2,80 m (je nach Hundegröße) lang sein. Alles, was an Leinenlänge darüber hinausgeht, bitte immer nur in Kombination mit einem Geschirr verwenden. Die Kräfte, die entstehen, wenn ein Hund unvermutet in eine Schleppleine mit 5 oder 10 Metern läuft oder einfach hängenbleibt, können schwerwiegende Verletzungen hervorrufen, schlimmstenfalls sogar einen Genickbruch verursachen.
  • Für den Stadtspaziergang oder die Runde um den Block sollte in den meisten Fällen eine kurze Führleine genügen. Im Umgang mit Schleppleinen geübte Personen können natürlich die Länge entsprechend anpassen, aber wir empfehlen aus Sicherheitsgründen eine gut in der Hand liegende, eher kurze Leine für Gebiete mit viel Straßenverkehr.
  • Für junge, bewegungsfreudige oder auch für große Hunde mit entsprechender Schrittlänge empfiehlt sich die Anschaffung einer längeren Leine oder einer Schleppleine. Gerade wenn wir noch im Aufbau des Rückrufes sind oder mit einem passionierten Jäger in wildreichen Gebieten unterwegs sind, ist die Schleppleine ein hilfreiches Werkzeug. Und wenn wir einen Hund mit Gewicht und Bewegungsradius eines Weimaraners auf einem gemütlichen Waldweg ausführen, können wir durchaus mal auf eine etwas längere Leine zurückgreifen, um dem Hund die Möglichkeit zu geben, seine Schrittlänge nicht dauerhaft an uns anpassen zu müssen oder einfach mal im Gebüsch zu schnuppern.
  • Das Material der Leine, der Karabiner, Länge und Breite sollten immer auf den jeweiligen Hund und auch den Menschen abgestimmt werden. Ein kleiner Yorkshire Terrier wird wenig Freude mit einem unangemessen großen und schweren Edelstahlkarabiner auf seinem Rücken haben. Und eine 50 kg schwere Person mit 40 kg Hund sollte noch die Möglichkeit einer Einflussnahme im Bedarfsfall haben, was sich mit 5 Meter Leinenradius durchaus schwierig gestalten kann.
  • Der Gebrauch von Auszugs- oder Rollleinen kann von uns aus mehreren Gründen nicht empfohlen werden: einerseits lernt der Hund, durch Zug weiterzukommen und andererseits ist eine beidhändige Leinenführung mit körpersprachlicher Interaktion bei Verwendung kaum bis gar nicht möglich.

3. Der Maulkorb

Auch die Frage zur Verwendung eines Maulkorbes kann zu kontroversen Diskussionen führen. Das fängt bei der Frage der Notwendigkeit an und hört bei Material und Passform auf. Ungeachtet dessen gilt für den Maulkorb – wie für jegliches Hundezubehör – für den individuellen Hund einen gut passenden Maulkorb positiv zu besetzen und das Tragen kleinschrittig zu etablieren.

Sieht man von den bisher zum Glück noch wenigen Bundesländern Österreichs ab, die willkürlich zusammengewürfelte Rasselisten führen (richtig, es gibt keine Einheitlichkeit) und somit alle gelisteten Hunde mit einem permanenten Maulkorbzwang vorbestraft haben, gilt auch in anderen Bundesländern an manchen Orten wie beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln und bei größeren Versammlungen Maulkorbpflicht. Des Weiteren kann es bei Urlaubsreisen in andere Länder, notwendig sein, einen Maulkorb mitzunehmen.

Abgesehen von den örtlichen Gegebenheiten kann es noch andere Aspekte geben, die zumindest für die zeitweise Verwendung eines Maulkorbes sprechen.

Gründe für die Verwendung eines Maulkorbes können sein:

  • Artgenossen-Unverträglichkeit mit Beschädigungsabsicht
  • Massives Territorialverhalten oder Ressourcenverteidigung mit Beschädigungsabsicht oder -risiko
  • Beißvorfälle in der Vergangenheit bei Neuübernahme
  • Übermäßiges Aufnehmen und Verzehr von mehr oder weniger Fressbarem auf dem Spaziergang
  • Stereotypes Verhalten mit Selbstverstümmelung
  • Schmerzhafte Verletzungen des Hundes sowie Tierarztbesuche (anlassbezogene Verwendung)

Die Verwendung eines Maulkorbes aus oben genannten Gründen ersetzt nicht, dass wir gemeinsam mit unserem Hund an diesen Themen arbeiten, jedoch ist nicht jegliches wenig gesellschaftstaugliche Verhalten restlos therapierbar und auch während der Arbeit an der Problemstellung sollte Sicherheit für alle Beteiligten oberstes Gebot sein.

Die Suche nach einem passenden Maulkorb kann sich aufwändig gestalten, wir empfehlen unbedingt auf folgende Punkte zu achten:

  • Sauberes Abmessen der Länge, des Umfanges sowie der Höhe der Schnauze
  • Tiefe des Maulkorbes entsprechend den Hechelgewohnheiten (breites Hecheln, tiefes Hecheln) Eures Hundes auswählen
  • Der Maulkorb MUSS schnuppern, hecheln und trinken ermöglichen! Bei längerer Tragedauer sollte der Hund ebenfalls gähnen und die Möglichkeit haben sich zu übergeben – falls nötig.
  • Für welches Material ihr euch entscheidet, hängt letztendlich von den Einsatzzwecken und den Vorlieben des Hundes ab, als ernsthaft beißsicher gelten jedoch ausschließlich Drahtmaulkörbe!

4. Hundebekleidung: Modeerscheinung oder hilfreiches Zubehör?

Häufig wird das Tragen eines Mantels beim Hund noch immer belächelt, verurteilt oder als „Vermenschlichung“ bezeichnet. Als Argument muss meist die „gute, alte Zeit“ herhalten, in der kein Hofhund einen Mantel oder gar einen Jumper getragen hat.

So weit, so undifferenziert!

In der sogenannten guten alten Zeit fand man in unseren Breiten überwiegend Hunde, die an das vorherrschende Klima gut angepasst waren. Die meisten Hunde waren auch viel im Freien, das Winterfell fiel also entsprechend dicht aus. Hunde, die sich überwiegend in gut beheizten Wohnungen aufhalten, entwickeln nur ein reduziertes Winterfell. Nicht zu vergessen die vielen Hunderassen, die keine Unterwolle besitzen und somit auch kein isolierendes Winterfell aufweisen.

Welpen, Senioren und Hunde ohne Unterwolle froren in der guten Zeit halt einfach und der winterliche Spaziergang wurde sehr kurz gehalten, es gab schlicht keine Möglichkeit, es für die betroffenen Hunde angenehmer zu gestalten.
Insofern ist das heutige Angebot an Hundekleidung durchaus zu begrüßen, solange die Funktion an erster Stelle steht

Hundebekleidung kann absolut sinnvoll sein, wenn:

  • die Fellbeschaffenheit nicht an die vorherrschenden Witterungsbedingungen angepasst ist.
  • es sich um einen sehr jungen, alten oder kranken Hund handelt, der über eingeschränkte Thermoregulationsfähigkeiten verfügt.
  • es sich um einen sehr niederläufigen Hund einer weniger robusten Rasse (also häufig Gesellschaftshunde, Jagdhunde wie der Dackel zeigen meist keine starke Empfindlichkeit) handelt, der beim Spaziergang durch die feuchte Wiese im November nach 2 Minuten komplett durchnässt ist.
  • bei Verletzungen (anstelle einer Halskrause kann auch ein Mantel empfindliche Stellen vor Belecken schützen) oder auch bei übermäßiger Belastung z. B. Pfotenschutz bei Einsatzhunden auf Geröll.

Hundebekleidung ist hingegen nicht sinnvoll und kann durchaus auch tierschutzrelevant werden, wenn diese ausschließlich zur menschlichen Erbauung angeschafft wird, schlecht passt, in warmen Räumen getragen werden muss und dem Hund offensichtliches Unbehagen bereitet (man denke an die vielen „lustigen“ Bilder, die im Internet kursieren)!

5. Was es sonst noch an nützlichen Ausrüstungsgegenständen für den gemeinsamen Aufenthalt im Freien gibt

  • GPS-Tracker: ein sehr nützlicher Helfer, um seinen Hund wiederzufinden, falls es doch mal dazu kommen sollte, dass dieser sich sehr weit vom Besitzer entfernt hat.
  • Diverses Outdoorspielzeug, Dummy, Futterbeutel etc. können den gemeinsamen Spaziergang kurzweiliger und interessanter für Hund und Mensch gestalten und bilden häufig einen wichtigen Bestandteil des Trainings – v.a. mit jagdlich ambitionierten Hunden
  • Wasserflasche für Spazierwege ohne Zugang zu natürlichen Wasserquellen.
  • Zeckenzange oder Zeckenhaken und ein kleines Erste-Hilfe-Set sind bei längeren Ausflügen zu empfehlen.
  • Kotbeutel sollten selbstverständlich sein, es gibt diese inzwischen auch in guter Qualität aus plastikfreien Materialien

Last but not least möchten wir darauf hinweisen, dass jeder Hund in Österreich gechipt und registriert sein muss! Dabei handelt es sich einerseits um eine gesetzliche Pflicht, aber andererseits ist dieses System auch für alle Hundehalterinnen und -halter von Vorteil. Sollte Euer Hund einmal – aus welchen Gründen auch immer – verschwunden sein, kann er mithilfe des Chips umgehend zugeordnet und nach Hause zurückgebracht werden!
Viel Spaß weiterhin, unterwegs mit Eurem Hund!

Martha Verena Höhr
Über die Autorin

Martha Verena Höhr

Leitung Hundeschule Willenskraft Graz & Umgebung · Zertifizierte Hundetrainerin

Martha leitet die Hundeschule Willenskraft in Graz & Umgebung – als zertifizierte Willenskraft-Hundetrainerin mit Background in Biodiversität & Ökologie. Sie begleitet Mensch-Hund-Teams im mobilen Einzeltraining und in Gruppenkursen, tierschutzkonform und fundiert.

Mehr über Martha →

Literatur:

Das beste Hundegeschirr – Ratgeber

bellerei (Klick mich!)

Schleppleine verwenden

bellerei (Klick mich!)

Das österreichische Tierschutzgesetz

Sozialministerium (Klick mich!)

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Wolf