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Calming Signals

Die versteckte Sprache unserer Hunde

Beschwichtigungssignale

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, warum dein Hund manchmal gähnt, den Kopf abwendet oder plötzlich am Boden schnüffelt, wenn er anderen Hunden oder Menschen begegnet. Diese Verhaltensweisen sind keine Zufälle oder Zeichen von Langeweile – sie gehören zur sehr feinen und durchdachten Sprache der Hunde, die wir als „Calming Signals“ oder Beschwichtigungssignale kennen.

Die norwegische Hundetrainerin Turid Rugaas hat diesen Begriff geprägt und viele Jahre damit verbracht, diese Signale zu erforschen. Die Beschwichtigungssignale sind das, was Hunde einsetzen, um Konflikte zu vermeiden, Stress abzubauen oder die Stimmung in ihrer Umgebung zu beruhigen. Sie sind die friedlichen „Werkzeuge“, die Hunde nutzen, um ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen – nicht nur untereinander, sondern auch im Umgang mit uns Menschen. In besonders angespannten Momenten greifen manche Halter zusätzlich zu sanften Beruhigungshilfen – die wichtigste Sprache aber bleibt die des Hundes selbst.

Häuptling Dan George

„Wenn du mit den Tieren sprichst, werden sie mit dir sprechen, und ihr werdet euch kennenlernen. Wenn du nicht mit ihnen sprichst, dann werdet ihr euch nie kennenlernen. Was du nicht kennst, wirst du fürchten. Was du fürchtest, zerstörst du.“

Beschwichtigungssignal

Hintergrund zur Entdeckung und Erforschung der Beschwichtigungssignale

Turid Rugaas ist eine Pionierin auf dem Gebiet der Hundekommunikation. Durch jahrelange Beobachtungen und Arbeit mit Hunden hat sie eine umfassende Sammlung von Signalen identifiziert, die Hunde nutzen, um ihre Emotionen auszudrücken und Konflikte zu vermeiden. Ihr Buch „Calming Signals“ ist ein Klassiker für Hundemenschen und -trainer, die ihren Vierbeiner besser verstehen möchten.

Hunde kommunizieren kontinuierlich miteinander und mit uns Menschen. Viele dieser Signale sind jedoch so subtil, dass wir sie oft nicht wahrnehmen oder missverstehen. Die Fähigkeit, diese feinen Zeichen zu erkennen, kann den Unterschied machen zwischen einem entspannten Hund und einem Hund, der gestresst oder missverstanden ist.

Alle Beschwichtigungssignale im Überblick

„Calming Signals“ von Turid Rugaas

Hier ist eine Übersicht aller bekannten Beschwichtigungssignale von Hunden – aus dem Buch „Calming Signals“ von Turid Rugaas, um dir eine bessere Orientierung zu geben:

  • Signal
  • Kopf abwenden: Der Hund dreht den Kopf zur Seite, um zu zeigen, dass er keine Bedrohung darstellt.
  • Gähnen: Der Hund gähnt, um sich selbst oder seine Umgebung zu beruhigen, häufig in stressigen Situationen.
  • Im Bogen laufen: Hunde vermeiden frontale Begegnungen und laufen in Bögen, um Konflikte zu vermeiden.
  • Am Boden schnüffeln: Der Hund schnüffelt, um Spannung abzubauen oder den Fokus von einer potenziell bedrohlichen Situation zu lenken.
  • Sich hinlegen: Der Hund legt sich hin auf den Bauch, die Beine am Boden, um Beschwichtigung zu signalisieren oder um ein Spiel zu beruhigen.
  • Langsame Bewegungen: Der Hund verlangsamt seine Bewegungen, um die Situation zu deeskalieren.
  • Sich abwenden: Der Hund dreht sich mit seinem Kopf oder ganzen Körper von einer potenziellen Bedrohung ab, um zu beruhigen.
  • Pfote heben: Manche Hunde heben die Pfote, um Beschwichtigung auszudrücken.
  • Blinzeln: Das Blinzeln signalisiert Entspannung und versucht, die Spannung bei anderen abzubauen.
  • Vorderkörpertiefstellung: Auch als Spielhaltung bekannt, wird manchmal genutzt, um Anspannung in der Umgebung zu reduzieren.
  • Sich hinsetzen: Der Hund setzt sich hin, um die Situation zu beruhigen.
  • Erstarren/Einfrieren: Der Hund verharrt regungslos, um eine drohende Situation zu deeskalieren.
  • Zwinkern: Ein Zwinkern dient als Beschwichtigung und signalisiert dem Gegenüber, dass keine Bedrohung besteht.
  • Lächeln: Einige Hunde zeigen ein „Lächeln“, um Freundlichkeit oder Beschwichtigung auszudrücken.
  • Übersprungshandlungen: Verhalten, das in einer stressigen Situation gezeigt wird, wie plötzliches Schnüffeln oder Kauen.
  • Dazwischenschieben/Splitten: Der Hund drängt sich zwischen zwei Parteien, um eine potenzielle Konfliktsituation aufzulösen.
  • Nase lecken: Der Hund leckt sich die Nase, um Stress abzubauen oder eine Situation zu beruhigen.
  • Markieren: Markieren kann als Beschwichtigungssignal genutzt werden, um Spannungen abzubauen.
  • Der Gebrauch der Augen: Der Hund nutzt seine Augen, um Beschwichtigung zu zeigen, z.B. durch Seitwärtsblicken ohne Kopfbewegung.
  • Wedeln: Das Schwanzwedeln kann als Beschwichtigungssignal dienen, besonders in stressigen oder unsicheren Situationen.
  • Mit den Lippen schmatzen: Ein kurzes Schmatzen dient als Beschwichtigung und kann Stress abbauen.
  • Das Gesicht glattziehen: Hunde ziehen manchmal ihr Gesicht glatt (Welpengesicht), um weniger bedrohlich zu wirken.
  • Kindisches Verhalten: Erwachsene Hunde benehmen sich wie Welpen, um eine bedrohliche Situation zu entschärfen.

Einige Beschwichtigungssignale im Detail

Calming Signals

Hier sind einige Beschwichtigungssignale, die du vielleicht schon bei deinem Hund bemerkt hast:

  • Kopf abwenden: Ein Hund, der den Kopf wegdreht, zeigt, dass er keine Bedrohung darstellt und auch keine Bedrohung von anderen erwartet. Dies kann z. B. passieren, wenn ein fremder Hund zu nahe kommt oder wenn der Hund sich bedrängt fühlt. Das Kopfabdrehen hilft, die Situation zu deeskalieren und den Druck zu verringern.
  • Gähnen: Gähnen ist nicht nur ein Zeichen von Müdigkeit. Hunde gähnen oft, um Spannungen abzubauen, sowohl bei sich selbst als auch in der Umgebung. Wenn dein Hund gähnt, kann es ein Zeichen dafür sein, dass er eine stressige Situation beruhigen möchte. Auch in Tierarztpraxen oder bei neuen, aufregenden Begegnungen lässt sich dieses Signal häufig beobachten.
  • Im Bogen laufen: Hunde gehen normalerweise nicht direkt aufeinander zu, sondern schlagen lieber einen Bogen. Ein direkter, frontaler Kontakt ist in der Hundewelt eine Bedrohung. Deshalb gehen Hunde instinktiv in einem Bogen, um sich respektvoll und ohne Konflikte zu nähern. Diese Geste drückt Freundlichkeit aus und vermeidet mögliche Spannungen.
  • Am Boden schnüffeln: Ein Hund, der plötzlich intensiv am Boden schnüffelt, versucht sich selbst oder andere zu beruhigen. Dies passiert oft, wenn eine Begegnung mit einem anderen Hund etwas unangenehm wird. Das Schnüffeln wirkt deeskalierend und hilft, den Fokus vom potenziellen Konflikt abzulenken.
  • Sich hinlegen: Wenn Hunde merken, dass das Spiel oder eine Situation zu wild wird, legen sie sich oft hin, um die Stimmung zu beruhigen. Das ist ein starkes Signal für andere Hunde, dass es Zeit ist, die Intensität zu reduzieren. Vor allem bei Welpen oder jungen Hunden kann dieses Signal eine wichtige Rolle spielen, um das soziale Miteinander zu regeln. Eines der stärksten Beschwichtigungssignale.

Für uns Menschen ist es oft nicht leicht, die Sprache der Hunde auf Anhieb zu verstehen. Doch genau das ist der Schlüssel zu einer harmonischen Beziehung. Wenn wir lernen, diese Signale wahrzunehmen, können wir unseren Hunden helfen, stressige Situationen zu bewältigen, und vermeiden, sie in Konflikte zu drängen. Ein Hund, der versteht, dass sein Mensch seine Sprache versteht, wird mehr Vertrauen aufbauen und entspannter sein.

Zum Beispiel kann ein Hund, der von einem Menschen bedrängt wird (z. B. durch eine feste Umarmung), mit Kopfabwenden oder Gähnen reagieren, um zu zeigen, dass er sich unwohl fühlt. Wenn wir darauf achten und entsprechend reagieren – also den Hund nicht weiter bedrängen –, helfen wir ihm, Vertrauen zu uns aufzubauen und ihm unnötigen Stress zu ersparen.

Die Anwendung der Beschwichtigungssignale im Alltag

Für Menschen

Beobachten: Achte darauf, welche Signale dein Hund bei Begegnungen mit anderen Hunden oder Menschen zeigt. Wenn du merkst, dass dein Hund beschwichtigt (z. B. gähnt oder den Kopf abwendet), versuche die Situation zu entschärfen, indem du ihm mehr Raum gibst, Sichtschutz inkludierst oder die Begegnung ruhig beendest.

Respektieren: Laufe selbst in einem Bogen auf fremde Hunde zu und wende deinen Blick ab. Das signalisiert dem Hund, dass du freundlich gesinnt bist und keinen Konflikt willst.

Raum geben: Vermeide direkten, frontalen Kontakt, insbesondere mit unbekannten Hunden. Respektiere den persönlichen Raum, vor allem, wenn  du merkst, dass der Hund Zeichen von Stress zeigt.

Die Beschwichtigungssignale

Kurz & knapp zusammengefasst

Beschwichtigungssignale sind ein essenzielles Mittel der Hundekommunikation und helfen, Stress und Konflikte abzubauen. Im Gegensatz zu Drohsignalen, die dazu dienen, Abstand zu schaffen und Bedrohungen abzuwehren, zielen Beschwichtigungssignale darauf ab, eine Situation zu deeskalieren, Stress zu reduzieren und für Harmonie zu sorgen. Sie helfen dem Hund, sich selbst und andere zu beruhigen.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass nicht alle Signale, wie eine erhobene Rute oder gesträubtes Fell, immer eine aggressive Absicht zeigen. Diese können einfach Anzeichen von Erregung oder Unsicherheit sein, die auch durch Freude ausgelöst werden können. Um das Verhalten eines Hundes wirklich zu verstehen, sollte man eher auf die subtilen Beschwichtigungssignale achten, da diese die friedliche Absicht des Hundes zeigen.

Wenn du bemerkst, dass dein Hund ein neues Verhalten zeigt, das zur Beruhigung anderer dient, könnte das ein neues Beschwichtigungssignal sein. Diese individuellen Beobachtungen tragen zur Erweiterung unseres Verständnisses der Hundekommunikation bei.

Exkurs: Piloerrektion (Haare aufstellen)

Piloerrektion, oft bekannt als „Kamm“ oder „Bürste“, tritt auf, wenn sich die Rückenhaare eines Hundes – häufig am Nacken oder entlang des Rückens – aufrichten. Dieses Verhalten wird durch Muskelkontraktionen ausgelöst, die die Haarfollikel aufrichten, und kann sowohl bei positiven als auch bei negativen Emotionen vorkommen.

Die Gründe für die Piloerrektion sind vielseitig: Sie kann ein Zeichen von Erregung, Unsicherheit, Angst oder Aufregung sein. Oft zeigt der Hund einfach eine erhöhte emotionale Reaktion auf eine ungewohnte oder aufregende Situation. Sie kann sowohl bei einer Begegnung mit einem anderen Hund als auch bei großer Freude auftreten.

Beschwichtigungssignal
Hundeschule Willenskraft
Hundeschule Willenskraft

Das Vertrauen zwischen Hund und Mensch stärken

Fazit

Beschwichtigungssignale sind das Herzstück der friedlichen Kommunikation der Hunde. Sie sind ein wunderbares Werkzeug, um besser mit unseren Hunden zusammenzuleben und ihnen zu helfen, sich sicher und verstanden zu fühlen. Wenn wir diese Signale erkennen und respektieren, können wir das Vertrauen unserer Hunde gewinnen und ein tiefes, harmonisches Band aufbauen.

Hast du diese Signale schon bei deinem Hund bemerkt? Schreibt uns gerne, wie du die Sprache deines Hundes wahrnimmst und wie sich eure Kommunikation verbessert hat! Wir freuen uns darauf, von deinen Erfahrungen zu hören und vielleicht sogar gemeinsam noch mehr über die faszinierende Welt der Hundekommunikation zu lernen.

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Bianca Oriana Willen
Über die Autorin

Bianca Oriana Willen

Gründerin Hundeschule Willenskraft & Akademie · CBATI-KSA · Hundeernährungsberaterin

Bianca begleitet seit über 10 Jahren Mensch-Hund-Teams – tierschutzkonform, wissenschaftlich fundiert und nach dem LIFE-Modell. Als CBATI-KSA-zertifizierte Trainerin und Gründerin der Willenskraft Akademie bildet sie auch angehende Hundetrainer:innen aus.

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