Zweithund gefällig? Warum Hunde mit Kumpel gesünder leben

Wer das Projekt zweiter Hund anschaffen angeht, trifft eine Entscheidung, die das Leben aller Beteiligten tiefgreifend verändert. Die Wissenschaft zeigt klar: Soziale Unterstützung durch Artgenossen ist ein massiver Faktor für die Gesundheit von Hunden und wirkt sich weitaus stärker aus als finanzielle Rahmenbedingungen. Dennoch erfordert das Zusammenleben fundiertes Management, ein Verständnis für das Nervensystem des Hundes und eine bedürfnisorientierte Herangehensweise, damit beide Tiere im Alltag aufblühen können.

📋 Auf einen Blick:

  • Wissenschaftliche Fakten: Eine Auswertung von 21.410 Hunden aus dem Dog Aging Project belegt, dass soziale Unterstützung (wie das Zusammenleben mit anderen Hunden) stark mit einer besseren Gesundheit korreliert.
  • Starke Effekte: Der gesundheitsfördernde Effekt dieses sozialen Umfelds ist rund fünfmal stärker als der Einfluss von Einkommen und finanzieller Stabilität der Halter:innen.
  • Trennungsstress ist komplex: Ein zweiter Hund ist kein Allheilmittel bei Trennungsproblemen. Studien zeigen, dass Trennungsstress aus Frustration (äußert sich oft durch Bellen/Kratzen) oder Phobie (Jaulen/Fluchtversuche) entstehen kann.
  • Ganzheitliche Integration: Die Zusammenführung erfordert Ziel und Plan, Schritt für Schritt – am besten orientiert am LIFE-Modell, um Überforderungen zu vermeiden.
  • Tierschutzkonformes Equipment: Ein gut sitzendes Y-Geschirr und eine lockere Leine sind essenziell, um Konflikte bei der ersten Begegnung gar nicht erst entstehen zu lassen.

1. Das Projekt zweiter Hund anschaffen: Was sagt die Wissenschaft?

Hunde sind hochsoziale Lebewesen. Die Frage, ob das Zusammenleben mit Artgenossen nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die physische Gesundheit verbessert, beschäftigt die Forschung schon lange. Eine der umfangreichsten Untersuchungen zu diesem Thema liefert das renommierte Dog Aging Project. Wenn Hundehalter:innen einen zweiter Hund anschaffen möchten, suchen sie oft nach einer Bestätigung, dass dieser Schritt dem Ersthund gut tut. Die Datenlage hierzu ist mittlerweile enorm robust und liefert spannende Erkenntnisse, die weit über bloße Vermutungen hinausgehen.

In der modernen Kynologie reicht es nicht aus, sich auf Bauchgefühl zu verlassen. Ein wissenschaftlich fundierter Ansatz erfordert es, große Datenmengen zu analysieren. Genau das haben Forschende getan, um herauszufinden, welche Umweltfaktoren die Gesundheit und das Altern von Hunden am stärksten beeinflussen. Die Ergebnisse sind ein Meilenstein für das Verständnis hundlicher Bedürfnisse.

🔬 Was die Wissenschaft sagt

Studie: Forschende des Dog Aging Project analysierten umfassende Umfragedaten von 21.410 Hunden. Sie identifizierten fünf Faktoren, die zusammen 33,7 % der Variation im sozialen Umfeld eines Hundes erklärten. Während finanzielle und häusliche Widrigkeiten mit einer schlechteren Gesundheit und geringerer körperlicher Mobilität einhergingen, war soziale Unterstützung – insbesondere das Zusammenleben mit anderen Hunden – bei Kontrolle von Alter und Gewicht mit einer deutlich besseren Gesundheit verbunden.

→ Zur Originalstudie

Diese Untersuchung verdeutlicht, dass das Umfeld des Hundes ganzheitlich betrachtet werden muss. Es geht nicht nur darum, was im Napf landet oder wie oft der Hund spazieren geführt wird. Das soziale Gefüge spielt eine tragende Rolle für das Nervensystem des Hundes. Wer sein Wissen hierzu vertiefen möchte, findet beispielsweise in der Online-Hundeschule umfangreiche Ressourcen, um die Bedürfnisse von Hunden besser zu verstehen.

2. Soziale Unterstützung schlägt finanzielle Faktoren

Ein besonders bemerkenswertes Detail der Studie aus dem Dog Aging Project ist die Gewichtung der verschiedenen Einflüsse. Oft wird angenommen, dass das Budget der Halter:innen der entscheidende Faktor für ein langes, gesundes Hundeleben ist. Schließlich ermöglichen finanzielle Mittel den Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung und speziellen Therapien. Die Daten zeigen jedoch ein anderes Bild.

Die Forschenden stellten fest, dass die Auswirkungen der einzelnen Umweltkomponenten keineswegs gleich waren. Der gesundheitsfördernde Effekt der sozialen Unterstützung war rund fünfmal stärker als der von finanziellen Faktoren. Das bedeutet konkret: Das Zusammenleben mit Artgenossen und ein stabiles, unterstützendes soziales Netz haben einen gewaltigen, messbaren Einfluss auf das Wohlbefinden.

💡 Wichtig:

Die Stärke dieser Zusammenhänge hängt auch vom Alter des Hundes ab. Die Studie zeigte, dass es bei jüngeren Hunden im Vergleich zu älteren eine stärkere Beziehung zwischen dem Alter der Besitzer:innen und der Gesundheit des Hundes gibt. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, das familiäre Setting individuell und altersgerecht zu bewerten.

Diese Fakten sind eine wertvolle Entscheidungshilfe. Sie romantisieren die Mehrhundehaltung nicht, sondern belegen sachlich: Artgenossen im eigenen Haushalt sind ein bedeutender Gesundheitsfaktor. Dies setzt jedoch voraus, dass die Hunde harmonisch zusammenleben. Ständiger Konflikt würde das Nervensystem des Hundes belasten und den positiven Effekt ins Gegenteil verkehren. Daher ist eine bedürfnisorientierte Führung unerlässlich.

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3. Trennungsstress: Löst ein zweiter Hund das Problem?

Ein häufiger Grund, warum Menschen mit dem Gedanken spielen, ihr Rudel zu vergrößern, ist Trennungsstress beim Ersthund. Die Hoffnung: Wenn der Hund nicht mehr völlig allein ist, entspannt er sich. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass Trennungsstress ein facettenreiches Phänomen ist, das sich nicht pauschal durch einen Artgenossen beheben lässt.

Hunde können auf die Abwesenheit ihrer Bezugsperson aufgrund völlig unterschiedlicher innerer Zustände reagieren. Eine Untersuchung zu trennungsbedingten Verhaltensweisen ergab, dass Hunde, die in anderen Kontexten zu Frustration oder Ängstlichkeit neigen, unterschiedliche Reaktionen auf die Trennung zeigen. Es handelt sich also nicht um ein einheitliches Problem, sondern um verschiedene emotionale Ursprünge.

⚠️ Achtung:

Die Studie belegt: Hunde, die in einem Fragebogen hohe Werte in der Komponente „Fordernd“ (demanding) erhielten – was mit der Frustrationstoleranz zusammenhängen könnte –, bellten bei Trennung mehr und kratzten häufiger an der Tür. Hunde mit eher phobischen Reaktionen neigten hingegen vermehrt zum Jaulen und versuchten zu fliehen.

Diese empirischen Daten stützen die Annahme, dass trennungsbedingte Verhaltensweisen durch unterschiedliche Emotionen ausgelöst werden. Wenn ein Hund aus reiner Frustration über den Kontrollverlust bellt, weil sein Mensch das Haus verlässt, wird ein zweiter Hund dieses Gefühl kaum lindern. Der Stress bezieht sich auf die fehlende Bezugsperson, nicht auf allgemeine Einsamkeit. In solchen Fällen ist gezieltes, kleinschrittiges Training erforderlich, um das Nervensystem des Hundes an die Situation zu gewöhnen.

„Ein zweiter Hund ist kein Pflaster für ungelöste Trainingsbaustellen. Wer Trennungsstress nachhaltig angehen möchte, muss die Emotion hinter dem Verhalten erkennen und den Hund kleinschrittig, ohne ihn in die Panik rutschen zu lassen, begleiten. Das Prinzip ‚Setting up for success‘ gilt hier ganz besonders.“

Bianca Oriana Willen, Gründerin Willenskraft Hundeschule & Akademie

4. Den richtigen Zeitpunkt finden: Wann ein zweiter Hund anschaffen sinnvoll ist

Damit der Satz „zweiter Hund anschaffen“ nicht in Überforderung endet, muss das Fundament stimmen. Eine tierschutzkonforme und ganzheitliche Betrachtung bezieht die Ressourcen der Menschen (Zeit, Energie, Wohnraum) ebenso ein wie den aktuellen Entwicklungsstand des Ersthundes. Ein Junghund in der Pubertät benötigt oft noch intensive Begleitung. Zieht in dieser Phase ein Welpe ein, potenzieren sich die Herausforderungen.

Das LIFE-Modell bietet hier eine hervorragende Orientierung, um die Lebensrealität aller Familienmitglieder objektiv zu bewerten. Bevor man aktiv auf die Suche geht, hilft eine ehrliche Bestandsaufnahme. Die folgende Übersicht stellt gegenüber, welche Faktoren für oder gegen den aktuellen Zeitpunkt sprechen.

Gute Voraussetzungen (Go) Kritische Voraussetzungen (Wait)
Der Ersthund ist erwachsen und in seinem Verhalten gefestigt. Der Ersthund ist mitten in der Pubertät oder zeigt starke Angstthematiken.
Ausreichend Zeit für getrennte Spaziergänge und Einzeltraining ist vorhanden. Der Alltag ist bereits mit einem Hund zeitlich und logistisch am Limit.
Finanzielle Rücklagen für doppelte Tierarztkosten und Ernährungsberatung sind gesichert. Das Budget ist knapp berechnet, unerwartete Kosten würden Stress auslösen.
Bereitschaft für Management (z.B. räumliche Trennung bei Kauartikeln). Die Erwartung, dass die Hunde sich von Tag eins an „alles selbst ausmachen“.

Diese tabellarische Betrachtung zeigt, dass die Entscheidung stark von den individuellen Lebensumständen abhängt. Wer sich tiefer mit der Lerntheorie und Verhaltensbiologie von Hunden beschäftigen möchte, um solche Entscheidungen professionell bewerten zu können, findet in einer fundierten Weiterbildung das nötige Handwerkszeug.

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5. Schritt für Schritt: Die Vorbereitung und das erste Kennenlernen

Wenn die Entscheidung gefallen ist, beginnt die Planungsphase. „Setting up for success“ bedeutet, die Umgebung und die Abläufe so zu gestalten, dass erwünschtes Verhalten leicht fällt und Konflikte vermieden werden. Das erste Aufeinandertreffen der Hunde sollte niemals im eigenen Wohnzimmer oder direkt im Garten stattfinden, da hier Territorialverhalten eine Rolle spielen kann.

Ein neutrales Gelände, idealerweise ein ruhiger Spazierweg ohne viele externe Reize, ist der beste Ort für die erste Kontaktaufnahme. Beide Hunde sollten dabei durch gut sitzende Y-Geschirre gesichert sein. Eine lockere Leine ist entscheidend, um keine Spannung auf die Hunde zu übertragen. Der Verzicht auf aversive Mittel versteht sich von selbst – ein Halsband-Ruck würde in dieser sensiblen Phase Schmerz mit dem Anblick des neuen Artgenossen verknüpfen und das Fundament für Aggression legen.

🎓 Tipp von Bianca:

Startet das Kennenlernen beim „Parallel Walk“. Die Hunde gehen mit ausreichendem Abstand in die gleiche Richtung. Der Fokus liegt auf der Vorwärtsbewegung und dem Schnüffeln, nicht auf direkter, frontaler Interaktion. Das reguliert das Nervensystem des Hundes und baut erste Spannungen ab. Erst wenn beide Hunde entspannte Körpersprache zeigen, wird der Abstand schrittweise verringert.

Die gemeinsame Rückkehr ins Haus sollte ebenso strukturiert ablaufen. Management-Maßnahmen wie Kindergitter oder Hausleinen helfen in den ersten Tagen enorm, um Ruhepausen zu garantieren. Jeder Hund benötigt seinen eigenen Rückzugsort, an dem er nicht gestört wird. Ressourcen wie Futter, Spielzeug oder begehrte Liegeplätze sollten anfangs nicht frei zur Verfügung stehen, um Ressourcenverteidigung präventiv zu managen.

6. Alltag meistern: Wenn das Projekt zweiter Hund anschaffen Realität wird

Nach der anfänglichen Kennenlernphase beginnt der eigentliche Alltag. Hier zeigt sich, wie gut das Vorhaben zweiter Hund anschaffen in die Praxis umgesetzt wurde. Eine zentrale Säule in der Mehrhundehaltung ist das Etablieren von klaren, verlässlichen Routinen. Hunde lieben Vorhersehbarkeit, da sie Sicherheit vermittelt und Stress reduziert.

Das Training basiert auf dem Prinzip der positiven Verstärkung MIT gewaltfreiem Equipment. Es geht darum, erwünschtes Verhalten – wie ruhiges Warten, während der andere Hund angeleint wird, oder das gemeinsame Entspannen auf der Decke – systematisch zu belohnen. Gleichzeitig müssen Halter:innen lernen, die feinen körpersprachlichen Signale ihrer Hunde zu lesen. Ein leichtes Einfrieren (Freeze), ein Abwenden des Kopfes oder ein Züngeln sind frühe Indikatoren dafür, dass ein Hund mehr Distanz benötigt.

💡 Wichtig:

Qualitätszeit mit jedem Hund einzeln ist unverzichtbar. Auch wenn Hunde im Rudel leben, bleiben sie Individuen mit eigenen Bedürfnissen. Einzelspaziergänge stärken die Bindung zum Menschen und verhindern, dass sich die Hunde ausschließlich aneinander orientieren. Dies ist besonders wichtig, wenn ein Welpe einzieht, der erst noch lernen muss, sich in der Umwelt zurechtzufinden.

Wer sich unsicher ist, wie er das Training strukturieren soll, findet an den verschiedenen Standorten kompetente Begleitung. Ein strukturierter Plan, der Schritt für Schritt an die individuelle Situation angepasst wird, verhindert, dass sich ungünstige Dynamiken zwischen den Hunden einschleifen.

7. Tierschutzkonformes Equipment und ressourcenorientiertes Management

Die Ausstattung spielt in der Mehrhundehaltung eine größere Rolle, als viele anfangs vermuten. Wenn zwei Hunde an der Leine laufen, kann es schnell zu Verwicklungen kommen. Ein breites, anatomisch korrekt sitzendes Y-Geschirr schont nicht nur die Halswirbelsäule und Schilddrüse, sondern verhindert auch Fehlverknüpfungen, falls doch einmal Zug auf die Leine kommt.

Das Management von Ressourcen ist ein weiterer kritischer Punkt. Fütterungszeiten sollten anfangs räumlich getrennt stattfinden. Manche Hunde fressen hastig, weil sie fürchten, der andere könnte ihnen etwas abnehmen. Dies bedeutet massiven Stress für das Nervensystem des Hundes. Durch getrennte Fütterungsbereiche wird diese Sorge sofort eliminiert. Auch Kauartikel sollten nur unter Aufsicht oder in getrennten Räumen gegeben werden, bis völlig klar ist, dass beide Hunde entspannt damit umgehen können.

⚠️ Achtung:

Strafen oder aversive Korrekturen bei Konflikten zwischen den Hunden sind kontraproduktiv. Sie erhöhen das Erregungsniveau und können dazu führen, dass die Hunde den Menschen als unberechenbar einstufen oder die Strafe mit der Anwesenheit des anderen Hundes verknüpfen. Management und das Belohnen alternativer Verhaltensweisen sind der wissenschaftlich fundierte Weg.

Das Ziel ist stets ein harmonisches Zusammenleben, bei dem die Bedürfnisse aller respektiert werden. Ein ganzheitlich gedachter Alltag erfordert Beobachtungsgabe und die Bereitschaft, Strukturen anzupassen, wenn sich die Dynamik im Hunderudel verändert.

🎯 Fazit

Wer das Vorhaben zweiter Hund anschaffen mit Ziel und Plan angeht, schafft die besten Voraussetzungen für ein harmonisches Mensch-Hund-Team. Die Daten des Dog Aging Project belegen eindrucksvoll, dass soziale Unterstützung durch Artgenossen ein massiver Gesundheitsfaktor für Hunde ist – ein Effekt, der finanzielle Faktoren bei Weitem übersteigt. Gleichzeitig zeigt die Wissenschaft, dass komplexe Themen wie Trennungsstress nicht einfach durch einen Kumpel verschwinden, sondern bedürfnisorientiertes Training erfordern. Mit tierschutzkonformem Management, dem Wissen über das Nervensystem des Hundes und dem konsequenten Einsatz von positiver Verstärkung MIT gewaltfreiem Equipment wird die Mehrhundehaltung zu einer Bereicherung für alle Beteiligten.

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📚 Quellen

  • Dog Aging Project: „Social determinants of health and disease in companion dogs: a cohort study from the Dog Aging Project.“ Evolution, Medicine & Public Health, 2023. Online lesen →
  • Studie zu Trennungsverhalten: „Separation-related behavior of dogs shows association with their reactions to everyday situations that may elicit frustration or fear.“ Scientific Reports, 2021. Online lesen →

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Bianca Oriana Willen

Bianca Oriana Willen

Gründerin Willenskraft Hundeschule & Akademie · CBATI-KSA · Hundeernährungsberaterin

Bianca begleitet seit über 10 Jahren Mensch-Hund-Teams — tierschutzkonform, wissenschaftlich fundiert und nach dem LIFE-Modell. Ihre Hunde Viola und Venice sind immer mit von der Partie.

❓ Häufige Fragen

Ist es gesünder für Hunde, zu zweit zu leben?

Ja, wissenschaftliche Daten des Dog Aging Project mit über 21.000 Hunden belegen dies deutlich. Soziale Unterstützung, wie das Zusammenleben mit Artgenossen, ist stark mit einer besseren allgemeinen Gesundheit verbunden. Der positive Effekt auf die Gesundheit erwies sich in der Auswertung sogar als rund fünfmal stärker als finanzielle Faktoren der Halter:innen. Voraussetzung ist jedoch ein harmonisches, gut gemanagtes Zusammenleben.

Hilft ein zweiter Hund bei Trennungsstress?

Nicht automatisch. Studien zeigen, dass Trennungsstress sehr komplexe Ursachen hat und oft aus Frustration (z. B. Bellen oder Kratzen) oder einer Phobie (z. B. Jaulen oder Fluchtversuche) resultiert. Wenn der Ersthund gestresst ist, weil spezifisch seine Bezugsperson das Haus verlässt, wird ein Artgenosse diese Emotion nicht lindern. Hier bedarf es gezielten Trainings, Schritt für Schritt, um das Nervensystem des Hundes an die Situation zu gewöhnen.

Wie führe ich zwei Hunde am besten zusammen?

Das erste Kennenlernen sollte immer auf neutralem Boden stattfinden, um territoriales Verhalten zu vermeiden. Ein paralleler Spaziergang (Parallel Walk) an lockerer Leine und mit gut sitzendem Y-Geschirr ist ideal. Dabei können die Hunde sich ohne frontale Konfrontation an den Geruch und die Anwesenheit des anderen gewöhnen. Erst wenn beide Hunde entspannt sind, geht es gemeinsam in die Wohnung, wo anfänglich Management (z. B. Kindergitter) eingesetzt werden sollte.

Welches Alter sollte der Ersthund haben, bevor ein Welpe einzieht?

Es empfiehlt sich, dass der Ersthund erwachsen und in seinem Verhalten sowie Grundgehorsam gefestigt ist. Ein Hund, der sich mitten in der Pubertät befindet oder noch starke Angstthematiken zeigt, ist oft selbst noch nicht stabil genug. Ein souveräner erwachsener Hund kann hingegen eine wunderbare Orientierungshilfe für einen Welpen sein und das Lernen durch Modellbeobachtung positiv unterstützen.

Wie verhindere ich Ressourcenverteidigung bei zwei Hunden?

Präventives Management ist der Schlüssel. Füttern Sie die Hunde anfangs in getrennten Räumen, damit kein Konkurrenzdruck entsteht. Auch begehrte Spielzeuge oder Kauartikel sollten nicht unkontrolliert herumliegen. Wenn die Hunde lernen, dass der Mensch die Ressourcen fair und ruhig verwaltet, sinkt das Stresslevel. Strafen sind absolut tabu, da sie das Problem verschlimmern würden.

Brauchen Hunde in einem Mehrhundehaushalt Einzelzeit?

Ja, absolut. Jeder Hund ist ein Individuum mit eigenen Bedürfnissen und einem eigenen Lerntempo. Regelmäßige Einzelspaziergänge und separates Training stärken die Bindung zum Menschen. Zudem wird so verhindert, dass sich die Hunde in für sie schwierigen Umweltsituationen ausschließlich aneinander orientieren oder sich unerwünschte Verhaltensweisen gegenseitig abschauen.

Was bedeutet das LIFE-Modell im Kontext der Mehrhundehaltung?

Das LIFE-Modell betrachtet die Lebensrealität des Hundes und des Menschen ganzheitlich. Es analysiert Faktoren wie Lernumgebung, Individualität, Fitness und Emotionen. Bevor ein zweiter Hund einzieht, hilft dieses Modell dabei, objektiv zu bewerten, ob ausreichend Zeit, Raum und emotionale Kapazitäten vorhanden sind, um beiden Tieren ein bedürfnisorientiertes und stressarmes Leben zu ermöglichen.

Welches Equipment ist für das Führen von zwei Hunden ideal?

Tierschutzkonformes Equipment ist essenziell. Beide Hunde sollten ein anatomisch passendes Y-Geschirr tragen. Dies schützt die empfindlichen Strukturen am Hals, falls es an der Leine zu Rucklern oder Verwicklungen kommt. Geführt wird an einer lockeren Leine. Ein Halsband-Ruck ist strengstens zu vermeiden, da dies nicht nur Schmerzen verursacht, sondern im Beisein des anderen Hundes schnell zu fehlgeleiteter Aggression führen kann.

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Bianca Oriana Willen
Über die Autorin

Bianca Oriana Willen

Gründerin Hundeschule Willenskraft & Akademie · CBATI-KSA · Hundeernährungsberaterin

Bianca begleitet seit über 10 Jahren Mensch-Hund-Teams – tierschutzkonform, wissenschaftlich fundiert und nach dem LIFE-Modell. Als CBATI-KSA-zertifizierte Trainerin und Gründerin der Willenskraft Akademie bildet sie auch angehende Hundetrainer:innen aus.

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